Was ist Trauer?
Eine bleierne Schwere im Körper. Ein heißer, brennender Kloß im Hals. Ein dumpfes Ziehen in der Magengrube. Die Unfähigkeit, sich aufzuraffen und den Alltag zu bestreiten. Trauer hat viele Gesichter. Es sind Zeiten, in denen man funktioniert. Man erledigt Dinge, trifft Entscheidungen, spricht mit Menschen und merkt gleichzeitig, dass ein Teil nicht mitkommt. Trauer ist das, was passiert, wenn ein Mensch geht, der ein Teil Ihres Lebens war. Trauer bedeutet, den Verlust zu begreifen, zu verarbeiten und zu akzeptieren, dass das Leben wie es war, nicht mehr stattfindet.
Trauer betrifft Menschen emotional, spirituell, sozial und körperlich. Sie ist kein Gefühl, das man einfach durchsteht und dann hinter sich lässt. Trauer verändert sich, sie kommt in Wellen oder taucht manchmal unvermittelt wieder auf: an einem Jahrestag, bei einem Lied, beim Anblick eines vertrauten Gegenstands. Wer trauern kann oder besser, wer Trauer zulassen kann, hat oft das Gefühl, den Verstand zu verlieren. Dabei verarbeiten Verstand und Körper gerade etwas, das zu den einschneidendsten Erlebnissen des Lebens gehört.
Wie äußert sich Trauer?
Trauer ist nicht nur ein Gefühl. Sie zeigt sich im ganzen Menschen und das überrascht viele, die zum ersten Mal mit einem schweren Verlust konfrontiert sind.
Emotional können Trauernde zwischen Taubheit, Schmerz, Wut, Schuldgefühlen und tiefer Sehnsucht pendeln. Manchmal innerhalb weniger Minuten. Wut ist dabei genauso normal wie das Weinen, auch wenn sie von außen weniger wie Trauer aussieht.
Körperlich äußert sich Trauer oft durch Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und Brainfog oder ein Engegefühl in der Brust. Der Körper reagiert auf Verlust wie auf eine schwere Belastung. Schließlich ist es das ja auch.
Sozial ziehen sich viele Trauernde in der ersten Zeit zurück. Das Gefühl, dass der Alltag für alle anderen einfach weitergeht, kann sehr einsam machen. Manche suchen Nähe, andere brauchen Abstand, wieder andere versuchen, ihre Gefühle zu betäuben. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Für das direkte Umfeld kann das genauso herausfordernd sein, wenn man dem Trauernden Raum geben will und sich gleichzeitig sorgt, ob die Isolation mehr schadet als nutzt.
Trauer verläuft nicht geradlinig. Sie verläuft nicht in Phasen, sondern zirkulär, spiralförmig. Manche Dinge oder Phasen wiederholen sich, was es für Betroffene besonders schwer macht, Trauer auszuhalten, weil es sich wie ein Rückschritt anfühlt.
Die Phasen der Trauer
Um Trauer besser zu verstehen, haben Psychologen und Forscher im Laufe der Zeit verschiedene Modelle entwickelt. Das bekannteste stammt von der Schweizer Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross, die fünf Phasen beschrieben hat: Leugnen, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Die Schweizer Psychologin Verena Kast beschreibt vier Phasen: das Nicht-Wahrhaben-Wollen, das Aufbrechen der Emotionen, eine Phase des Suchens und Loslassens und schließlich einen neuen Selbst- und Weltbezug.
Diese Modelle können helfen, das eigene Erleben einzuordnen. Sie sind aber kein Fahrplan oder eine Anleitung, wann oder wie lange eine dieser Phasen anhalten und enden sollte. Wer in der Trauer steckt, durchläuft diese Phasen selten der Reihe nach. Manche überspringen einzelne Phasen, andere kehren immer wieder zu früheren zurück. Das Modell beschreibt, was möglich ist, nicht, was sein muss. Was alle Modelle gemeinsam haben: Trauer braucht Zeit. Und sie endet nicht mit der Beerdigung. Etwas, das wir Trauernden auch immer wieder signalisieren. Die Organisation der Beerdigung kann sich wie eine Ablenkung anfühlen. Eine sinnvolle Aufgabe. Aber wenn das überstanden ist, ist da nichts mehr, was getan oder geregelt werden muss. Dann kommt der Alltag. Ein neuer Alltag, mit dem man sich arrangieren muss.
Trauer bei Kindern: Wie erkläre ich meinem Kind, was gerade passiert?
Kinder trauern anders als Erwachsene. Nicht weniger, nicht oberflächlicher, einfach anders. Sie wechseln schneller zwischen Trauer und normalem Spiel, stellen Fragen, die Erwachsene sprachlos machen oder vielleicht als unangemessen empfinden, und verarbeiten Verlust auf ihre ganz eigene Weise.
Wichtig ist, dass der Tod in der Familie nicht tabuisiert wird. Kinder spüren, wenn etwas nicht stimmt. Und wenn niemand darüber spricht, füllen sie die Stille mit eigenen Gedanken, Fragen und Erklärungen, die ihnen mehr Angst machen können als die Wahrheit. Sätze wie „Der Opa macht jetzt eine lange Reise“ helfen nicht. Ein Kind versteht, dass jemand gestorben ist und nicht zurückkommt. Kinder nehmen die Stimmung der Erwachsenen viel genauer wahr, als es auf den ersten Blick scheint und je offener Sie mit dem Thema umgehen, desto mehr hilft es einem Kind, das Geschehene zu verarbeiten.
Ein guter Weg kann es sein, Kinder in Abschiedsrituale mit einzubeziehen. Ein Bild malen, einen Brief schreiben, einen Gegenstand für die Beerdigung aussuchen. Das gibt ihnen das Gefühl, nicht ausgeschlossen zu sein und einen wertvollen Beitrag zu leisten. Es hilft bei der Verarbeitung mehr als gut gemeintes Abschirmen.
Zeigen Sie auch Ihre eigene Trauer. Kinder, die sehen, dass Erwachsene weinen, lernen: Das darf so sein. Gemeinsames Trauern verbindet, egal wie alt man ist. Und wenn Sie das Gefühl haben, für sich trauern zu müssen, fragen Sie nach Hilfe bei Freunden, befreundeten Eltern oder Verwandten. Lassen Sie sich bei der Kinderbetreuung helfen, um Ihren eigenen, rohen Gefühlen Raum zu geben, ohne das Gefühl zu haben, sich beschränken zu müssen.
Lesetipps für Kinder
Manche Kinder verarbeiten besser über Geschichten als über Gespräche. Diese Bücher können dabei helfen:
- Warum steht auf Opas Grab ein Stein? Beerdigungsbräuche, erklärt von Kindern für Kinder. Hrsg. Christian Butt (ISBN 978-3-7668-4124-7)
- Helft Kindern, den Tod zu begreifen (ISBN 978-3-936057-42-3)
- Und was kommt dann? Das Kinderbuch vom Tod von Pernilla Stalfelt (ISBN 3-89565-110-9)
- Was passiert mit Hilde Mück? von Susanna Maibaum und Kirsten van Alphen, 4. überarbeitete Auflage 2023 (ISBN 978-3-936057-79-9)
Rituale helfen beim Abschiednehmen
Die offene Aufbahrung, das Verschicken von Trauerkarten, die Gestaltung der Trauerfeier und der gemeinsame Trauerkaffee danach: Das gehört zur Tradition. Rituale können abseits dieser Tradition existieren. Sie geben der Trauer zusätzliche Struktur im Alltag und helfen, den Tod eines geliebten Menschen besser zu begreifen.
Ein persönlicher Gedenkaltar zu Hause, das Anzünden einer Kerze am Abend, ein regelmäßiger Besuch am Grab, gemeinsames Anschauen von Fotos, ein kurzes Gespräch im Vorbeigehen an einem der Lieblingsfotos. Was zählt, ist nicht die Form, sondern dass es sich für Sie richtig anfühlt.
Als Bestatter sind wir auch über die Trauerfeier hinaus für Sie da. Wenn Sie also einen Wunsch haben, den wir für die Trauerfeier oder als Erinnerung im Nachhinein mit Ihnen vorbereiten können, sprechen Sie uns gerne darauf an.
Besondere Erinnerungsstücke gestalten
Was bleibt, wenn jemand geht, sind Erinnerungen. Und manchmal der Wunsch nach etwas Greifbarem, an das man sich an schweren Tagen halten kann. Eingerahmte Fotos, ein vertrauter Gegenstand, ein Brief können helfen.
Aber es gibt darüber hinaus auch besondere Möglichkeiten, die viele nicht kennen und die wir Ihnen hier gern zur Inspiration zeigen wollen: Zum Beispiel lassen sich aus einzelnen Haaren Edelsteine herstellen. Ein Diamant oder Saphir wird anschließend in ein Schmuckstück eingearbeitet, als Ring, Kette oder Armband. Diese Möglichkeit wird oft als Diamant- oder Saphirbestattung bezeichnet, auch wenn es sich genau genommen nicht um eine Bestattungsform handelt. Unsere Kooperationspartner, die das ermöglichen, sind algordanza.com und mevisto.eu.
Eine weitere, ausgefallene Möglichkeit, sich zu erinnern, ist der Fingerprint: Dabei wird der Fingerabdruck des Verstorbenen in Handarbeit in ein Schmuckstück aus Gold, Silber oder einem anderen Material eingearbeitet. Einen Anbieter finden Sie unter jewel-concepts.de.
Wenn Sie sich für eine dieser Möglichkeiten interessieren oder einfach wissen möchten, was noch möglich ist, sprechen Sie uns gerne an.
Trauerbegleitung: In der Trauer nicht allein sein
Trauer erträgt sich leichter, wenn man sich anderen Menschen anvertrauen kann. Enge Freunde, Familie, ein vertrautes Umfeld können eine wertvolle Stütze sein. Wenn das direkte Umfeld jedoch selbst mit Trauern beschäftigt ist, kann es schwer sein oder sich unmöglich anfühlen, die eigene Trauer offen anzusprechen. In Augenblicken wie diesen kann es helfen, mit jemandem zu sprechen, der nicht selbst mitten in der Trauer steckt.
Wir sind während der gesamten Planung für Sie da und versuchen, Ihnen durch Rituale und einen würdigen Abschied das Loslassen leichter zu machen. Wenn Sie darüber hinaus das Gefühl haben, dass Sie langfristige Unterstützung brauchen, sprechen Sie uns gerne an. Wir können Ihnen passende Ansprechpartner empfehlen, die Sie durch die Trauer begleiten.
Wenn sich gerade in diesem Augenblick alles schwer und unmöglich anfühlt, zögern Sie nicht, sich an eine dieser Anlaufstellen zu wenden:
- Telefonseelsorge – kostenlos, anonym, rund um die Uhr
0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123 | online.telefonseelsorge.de - VEID – Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V.
0341 94 68 884 | veid.de - AGUS e.V. – Unterstützung für Suizidtrauernde
0921 150 03 80 (Mo bis Do 9 bis 15 Uhr, Mi auch 17 bis 19 Uhr) | agus-selbsthilfe.de - Kinder- und Jugendtelefon
116 111 (Mo bis Sa 14 bis 20 Uhr) | da-sein.de
Einen guten Bestatter erkennen Sie am Umgang mit Trauer
Ein Bestatter organisiert eine Beerdigung und hilft bei den Formalitäten. Das ist die eine Seite. Die andere ist das, was in den Stunden und Tagen davor passiert, wenn Angehörige zum ersten Mal durch die Tür kommen oder mitten in der Nacht zum Hörer greifen, um anzurufen.
Der erste Kontakt mit unserem Bestattungsinstitut findet meist telefonisch statt. Wir erleben Angehörige, die kaum oder gar nicht geschlafen haben. Die nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Manche weinen, manche sind auffällig ruhig, andere reden ohne Unterbrechung, um eine Leere zu füllen. Was sie alle gemeinsam haben: Sie befinden sich in einem emotionalen Ausnahmezustand, der Empathie, Rücksichtnahme, Geduld und Ruhe braucht.
Wir sind überzeugt: Ein guter Bestatter hört zuerst zu. Er stellt Fragen, die dem Angehörigen helfen, sich zu orientieren, nicht Fragen, die den Ablauf beschleunigen. Er erklärt, was als nächstes passiert, ohne Druck aufzubauen. Er lässt Stille zu, wenn Stille gebraucht wird.
Was viele nicht wissen: Bestatter begleiten nicht nur die Verstorbenen, sondern vor allem die Menschen, die zurückbleiben. Dazu gehört, zu erkennen, wann jemand gerade nicht in der Lage ist eine Entscheidung zu treffen. Wann eine Frage zu viel oder unangebracht ist. Wann ein Gespräch kurz unterbrochen werden sollte, um der Trauer Raum zu lassen, bevor es weitergeht.
Woran erkennen Sie, ob Sie gut aufgehoben sind? Ein guter Bestatter drängt Sie nicht. Er erklärt ruhig und verständlich, was eine Entscheidung bedeutet, bevor er sie von Ihnen erwartet. Er fragt nach den Wünschen des Verstorbenen, nicht nur nach den praktischen Details zu Ausstattung und Ablauf. Und er ist nach der Beerdigung noch erreichbar, wenn Fragen auftauchen.
Das erste Telefonat nachdem mein Opa verstorben war, war wirklich anders als erwartet. Ich war total nervös und wusste nicht weiter aber der Holger hat mit seiner Stimme und seiner professionellen Art und Weise geschafft, das ich mich durch das Telefon durch beruhigt habe, er hat mir alles genau erklärt, genau das was man in diesem schweren Moment braucht. Auch das Gespräch vor Ort bei euch in der Pietät war besonders schön gestaltet. Sehr ruhig, verständnisvoll und voller Respekt.
Pina Mackowiak, Google-Bewertung
Häufige Fragen zur Trauer
Wie lange dauert Trauer?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Trauer hat keinen festgelegten Zeitplan und kein Enddatum. Viele Menschen bemerken, dass die intensivsten Phasen nach einigen Monaten nachlassen, aber Trauer kann in Wellen zurückkehren, manchmal noch Jahre später. Das ist normal und kein Rückschritt.
Wann sollte ich professionelle Hilfe suchen?
Wenn die Trauer nach etwa sechs Monaten nicht nachlässt, sondern sich eher verstärkt, wenn Sie sich dauerhaft zurückziehen oder den Alltag nicht mehr bewältigen können, kann professionelle Unterstützung helfen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein sinnvoller nächster Schritt. Sprechen Sie uns an, wir können Ihnen passende Anlaufstellen empfehlen.
Ist es normal, nach der Beerdigung emotional zusammenzubrechen?
Ja. Viele Angehörige halten während der Planung und der Trauerfeier durch und brechen erst danach ein, wenn der äußere Rahmen wegfällt und der Alltag zurückkommt. Auch das ist ein Teil des Trauerprozesses.
Wie kann ich einem trauernden Menschen helfen?
Oft hilft es mehr, einfach da zu sein, als die richtigen Worte zu finden. Zuhören, aushalten, keine Ratschläge drängen. Praktische Hilfe im Alltag, Einkaufen, Kochen, Kinderbetreuung, kann genauso viel bedeuten wie ein offenes Ohr.
Kann Trauer körperlich krank machen?
Trauer belastet den Körper messbar. Schlafstörungen, Erschöpfung, Appetitlosigkeit und ein geschwächtes Immunsystem sind häufige Begleiterscheinungen. Wer körperliche Symptome bemerkt, die länger anhalten, sollte das ernst nehmen und ärztlichen Rat suchen.
Woran erkenne ich einen guten Bestatter?
Ein guter Bestatter nimmt sich Zeit für das erste Gespräch, ohne Sie unter Druck zu setzen. Er erklärt, was als nächstes passiert, fragt nach den Wünschen des Verstorbenen und lässt Ihnen Raum, Entscheidungen in Ihrem eigenen Tempo zu treffen. Ein Zeichen, dass Sie gut aufgehoben sind: Sie verlassen das erste Gespräch mit dem Gefühl, dass jemand zugehört hat.
Habe ich die freie Bestatterwahl?
Ja. In Deutschland können Angehörige den Bestatter frei wählen, unabhängig davon, wo der Sterbefall eingetreten ist. Sie sind nicht an einen bestimmten Anbieter gebunden, weder durch das Krankenhaus, das Pflegeheim noch durch andere Stellen. Wenn Sie unsicher sind, ob das in Ihrem Fall gilt, sprechen Sie uns an.


